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Patienten – Tagebuch

Wer mit bewusstseinsgeschädigten Menschen arbeitet, erlebt immer wieder Momente, bei denen das Bewusstsein des Klienten Hoffnung weckt. Das Menschen wieder erwachen wird immer wieder berichtet und deshalb schreiben in Norwegen und Dänemark Angehörige und beruflich Pflegende Tagebücher für Ihre Patienten. Anders als unsere Pflegedokumentation gehören Sie dem Patienten und dokumentieren lebendig Entwicklung und Details aus deren Leben. Ihre Texte sind persönlich: Erlebnisse und Ereignisse finden sich darin wieder. Ein Beispiel von Tanja Meinke an Ihren Ehemann Ralf:

Hallo, mein Sorgenkind!

„Ich weiß jetzt, warum ich am Freitag so einen merkwürdigen Drang verspürte, Dir Blumen zu kaufen und Dir zu sagen, dass ich Dich liebe. Es ist jetzt Samstagabend, 20 Uhr, und nach fast 12 Stunden Bangen kann ich Dich endlich sehen. Es scheint alles gut zu sein! Wir fahren also gleich nach Hause – ich muss mit Mina sprechen, die weiß noch nichts … Morgen wollen sie Dich aufwecken. Ich werde da sein.
Ich liebe Dich.“

[2]

Ralf blieb unerwartet länger narkotisiert.

Die Langzeitnarkose

Die Langzeitnarkose, dramatisierend und Ängste schürend oft fälschlich künstliches Koma genannt. Sie ist glücklicherweise medikamentös steuerbar. Im Gegensatz zum Koma.
Nach zwei Wochen wurde Ralf ärztlich aus der Langzeitnarkose geweckt.
Ralf genas und konnte nach zwei wöchiger Narkose sein verlorenes Leben nachlesen. Das verhindert, so die Erfahrung, schwere posttraumatische Nachwirkungen und bietet Erklärung für fälschliche Annahmen und Halluzinationen. Weil das so gut funktioniert haben sich solche Tagebücher in Dänemark und Norwegen klinisch bewährt, auch wenn bisher keine „keine stringente psychologische Theorie“ den Wirk-“Mechanismus erklären konnte.

Natürlich sollte die Konfrontation mit einem solchen Tagebuch, das raten Psychologen, nicht ohne professionellen Beistand erfolgen.
[2]

Das Schreiben von Tagebüchern durch Pflegende und Angehörige für die betreuten Menschen könnte sich auch außerklinisch als hilfreich erweisen. Nicht nur für die Patienten, sondern auch für Angehörige und Pflegende.

Das ist experimentell, doch meiner Meinung nach ethisch vertretbar, sofern es mit gesetzlichen Betreuern abgestimmt ist. Obwohl es hier um Patienteneigentum und die Assistenzleistung schreiben geht,
sollte zur ethischen und juristischen Betrachtung berücksichtigt werden, dass die Daten des Klienten unschützbar sind. Selbstverständlich unterliegt auch diese Tätigkeit der beruflichen Schweigepflicht, auch gegenüber den durch berufliche Tätigkeit offenbarten Eintragungen von Angehörigen.

Vorteilhaft ist, besonders neuen MitarbeiterInnen gilt das, dass durch eindrucksvolle und praxisnahe Beispiele schnell die Bedürfnisse eines Klienten mit Bewusstseinsstörung klar werden.
Neben dem Zuwachs an Verantwortung und Kompetenz stärken auch sinngebende Erkenntnisse den Wert der Arbeit des Teams.
Dazu können solche Reflexionen auch Fantasie oder Kreativität in der Alltagsgestaltung der Patienten fördern.


Quellen:

[2]Claudia Wüstenhagen, Während Du schliefst, 29.05.2015, Zeit-online, http://www.zeit.de/zeit-wissen/2015/04/intensivstation-tagebuch-kuenstliches-koma/komplettansicht, abgerufen am 31.08.2016

Aus „Pflege und Beruf 8-2016“, Unternehmenskommunikation Ambulanter Pflegedienst 24 GmbH. Zuletzt geändert am: 30.10.2016

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