Schwimmen befreit Rollstuhlfahrer

Schwimmen ist sehr gesund und inkludierend. Denn hier begegnen sich Menschenn auf Augenhöhe und können ohne die Einflüsse der Schwerkraft verweilen. Es gibt aber auch Nachteile.


Schwimmen für Rollstuhlfahrer

Schwimmen fördert Ausdauer, Wettkampf und Therapie. Und Schwimmen rettet Leben, weil es vor dem Ertrinken schützt.


Schwimmen befreit: Rollstuhlfahrer im Wasser

 

Schwimmen fördert Ausdauer, Wettkampf und Therapie. Und Schwimmen rettet Leben, weil es vor dem Ertrinken schützt.

 

Schwimmsport bietet allen gesundheitliche Vorteile

 

Schwimmen findet im Wasser statt und wirkt deshalb anders als Landsport.

Im Wasser erfährt der Körper Auftrieb. Das Körpergewicht verringert sich um die Masse des verdrängten Wassers, also um den untergetauchten, größten Teil.

Erschütterungsfreie Bewegungen entlasten Knochen, Gelenke und Muskeln.

 

Schwimmer benötigen keine Schutzkleidung, während Landsportler aufwendige Hilfsmittel benötigen. Spezielle Rollstühle dämpfen beispielsweise Erschütterungen, mildern Stauchungen und Verletzungen, um vor körperlichen Verschleiß zu schützen.

Der hohe Widerstand des Wassers schult durch symmetrische und gleichmäßige Muskelbewegungen Ausdauer, Kraft und Koordination.

Die positiven körperlichen Veränderungen stärken auch die Rumpfmuskulatur und organische Leistungsfähigkeit des Sportlers.

Sauerstoff wird unter voller Nutzung der Atemorgane besser aufgenommen und mit dem sportlich gekräftigten Herzen den Körperzellen optimal zur Verfügung gestellt.

Diese zum Schwimmen erforderliche Anpassung stützt den Sportler auch im Alltag.

Als nachteilig gelten Infektionsrisiken, die Reizung der Bindehäute durch Chlor, das Fehlen von technischen, sozialen und handwerklichen Anforderungen, sowie die Bindung an Trainings- und Öffnungszeiten.

[1][2] [3][4][5]

 

Kontakte auf Augenhöhe und Schmerzlinderung:

 

Die genannten Vor- und Nachteile gelten natürlich auch Rollstuhlfahrern.

Darüber hinaus eröffnet ihnen das Schwimmen besondere Möglichkeiten.

Die Bewegung im Wasser bereitet Rollstuhlfahrern ein völlig neues Gefühl.

Viele können sich plötzlich ohne Hilfsmittel bewegen: Das Wasser reduziert die beschränkende Wirkung der Schwerkraft und befreit von den Grenzen, die Bewegungen zu Land erfahren.

Auch können Rollstuhlfahrer Mitsportlern auf Augenhöhe begegnen: Die Gesichter treiben auf der Wasseroberfläche und die Körper bleiben im Wasser verborgen.[2] [6] [7]

Kraulen und Rückenschwimmen kräftigen die Rücken- und Schultermuskulatur, können Schmerzlinderung und geringere Spastizität bewirken. Wie schon beschrieben dämpft Wasser stossfrei. Das unterstützt und entlastet die Wirbelsäule.[6][7]

Delfinschwimmen und Brustschwimmen können die Wirbelsäule durch eine starke vorwärts gekrümmte Haltung (Lordoisierung) belasten. [8]

 

Sub C0 – Lähmung, Epilepsie und einige Medikamente erfordern Begleitung

 

Finden Rollstuhlfahrer eine Bademöglichkeit können sie sich bei dieser telefonisch über dortige Barrieren informieren.

Birgt ein Schwimmbad viele Barrieren kann eine Begleitperson nötig sein. Manchmal unterstützt anwesendes Personal. Wie weit sollte im Vorfeld erfragt werden. Oft hat das Personal bereits Erfahrungen zur Assistenz mit Rollstuhlfahrern sammeln können.

Bestimmte Lähmungen oder Medikamentenwirkungen erfordern immer Sicherheitspersonen, weil Rollstuhlfahrer und ganz besonders Epileptiker das Ertrinken gefährdet. Schließen Badeordnungen Menschen mit Epilepsie aus, widerspricht das heutigen Gesetzen.[9]

Betreffen Lähmungen nur die Beine und den unteren Rumpf können lange Strecken eine Begleitperson erfordern.

 

Inkontinenz, Tracheostoma und Neopren

 

Sammelumkleiden sind geräumig und bieten Rollstuhlfahrern meist Platz zum Umkleiden.

Um zum oder ins Wasser zu gelangen, eignen sich abhängig von Bedürfnis, Fähigkeit oder Räumlichkeit der eigene Rollstuhl, ein Duschrollstuhl, ein Lifter, Rampen, Roolez- Reifen oder ein Strandrollstuhl.

Harn- und stuhlinkontinenten Menschen hilft spezielle Badekleidung, die es sicher ermöglicht Einlagen im Wasser zu tragen.

Tracheostomaträger können mit Schwimmwesten im Wasser an Therapien teilnehmen und sogar mit Trachealkanülen für das Schwimmbad, deren Nebenwirkung den Geruchssinn bessert, schwimmen. [10] [11]

Meistens reduziert das Wasser vorhandende Spastik. Die niedrigere Wassertemperatur kann aber auch Spastik erhöhen. Neoprenkleidung hält dann warm.[12]

Führt Streckspastik jedoch zur Körperbegradigung kann diese das Schwimmen erleichtern.

 

Inklusion, Entspannung und Wettkampf

 

Von Kindheit an fördert Schwimmen Inklusion. Das beschreibt auch Dergin Tomek, Artist bei Cirque de Soleil,dessen erste Schwimmerfahrung in der zweiten Klasse stattfand. [13].

Neben dem Erwerb der lebensrettenden Schwimmfähigkeit, die auch Erwachsenen möglich ist, sprechen die erwähnten Vorteile dafür das Schwimmen zu probieren: Wassersport ist als Rehabilitationssport oder Funktionstraining ärztlich verschreibbar. [14]

Natürlich bietet das entspannende Bad auch den geselligen Umgang mit anderen auf Augenhöhe.

Ehrgeizigen Menschen ermöglicht das Schwimmen sportliche Erfolge bis zum paralympischen Gold: Kirsten Bruhn hat das schon dreimal erkämpft.

Autor John-Martin Teuschel; Idee + Anregung von Anke Pohl



 

Quellen zur Recherche zu Schwimmsport und Inklusion

 

[1] Schwimmen, Deutscher Rollstuhl Sportverband, abgerufen am 30.04.2014, http://www.drs.org/cms/sport/sportarten/schwimmen.html

[2] Thomas Heyartz, Hannes Rohjans, Gesundheits-, Erste Hilfe-, Schwimm- und Rettungslehre, Litho-Verlag eK, 2013 (Satz 38)

[3] Wildor Hollmann, Heiko K. Strüder, Sportmedizin: Grundlagen für körperliche Aktivität, Training und Präventivmedizin ; Schattauer Verlag,2009

[4] Praxis der konservativen Orthopädie: 175 Tabellen, Bischoff et.al Georg Thieme Verlag,2009

[5] Antje Hüter-Becker, Mechthild Dölken, Physiotherapie in der Neurologie, Georg Thieme Verlag, 2010

[6] Zum Hochgefühl schweben, Matthias Haehl, 2014, Paraplegie, Heft 149, abgerufen am 29.05.2014, http://issuu.com/paranet/docs/paraplegie_01_2014_d

[7] SPZ Nottwil, Erhaltung der Funktion und Therapieder oberen Extremität nach Querschnittlähmung, 2011, abgerufen am 30.04.2011, http://www.paraplegie.ch/files/pdf4/Erhaltung_der_Funktion_und_Therapie_der_oberen_Extremiten.pdf

[8] Bischoff et al, Praxis der konservativen Orthopädie: 175 Tabellen, Georg Thieme Verlag, 2009<

[9] Ahrendt et al, BoD – Books on Demand, 2012, 2. Fachtagung Schwimmen lernen,

[10] Thomas Betz, Schwimmtherapie bei hoher Querschnittlähmung C0 und Tracheostoma, 2013, Häusliche Intensiv Pflege Tamme, abgerufen am 30.04.2014http://www.gepflegt-beatmet.de/blog/schwimmtherapie-bei-hoher-querschnittlaehmung-c0-und-tracheostoma

[11] Dominik, Selbsthilfe- Forum, abgerufen am 30.04.2014, http://www.pflegendeangehoerige.info/pflegehilfsmittel/heimbeatmung-t16590.html

[12] Reisebericht und Fotos Sardinien 2009, Petra vk, abgerufen am 25.05.2014, http://www.friesenlovecoach.ch/Rollstuhl_Galerie_Sardinien_2009.htm

[13] Dergin Tokmak, Stix: Mein Weg zum Tänzer auf Krücken, Irislana, 2012

[14] Gesetze und Richtlinien Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining Rehabilitationssport und Funktionstraing, Physio.de, 2011, abgerufen am 25.04.2014, http://www.physio.de/zulassung/ambulante_reha_11.htm

 

Webtipps zu Schwimmen und Inklusion

 

Schwimmen bei Inkontinenz:

 

Forumbeiträge, Inkontinenz Selbsthilfe e.V, http://www.inkontinenz-selbsthilfe.com/forum1/forum1/54-hilfsmittel-bei-inkontinenz/11843-therapie-badehose.html, abgerufen am 28.05.2014

 

Mit Rollstuhl im Schwimmbad – Und nun?

 

Peter Schön, Ich möchte nicht tauschen: Erfahrungen im Rollstuhl, BoD – Books on Demand, 18.05.2013 : Bewegungsmöglichkeiten im und zum Wasser

Thomas Betz, Schwimmtherapie bei hoher Querschnittlähmung C0 und Tracheostoma, 2013, Häusliche Intensiv Pflege Tamme, http://www.gepflegt-beatmet.de , abgerufen am 30.04.2014

Kinästhetik unterstützt Assistenz: Hoffer, Hoffer -Erfahrungsbericht, 2002, http://www.kinästhetik-plus.de/,abgerufen am 30.04.2014, http://www.kinästhetik-plus.de/app/download/5780430937/0207+Hoffer+Erfahrungsbericht.pdf

 

Schwimmen und Inklusion: Die Begleiter

 

Pia geht mit Rett-Syndrom schwimmen: Arne Mayntz, Die Zeit , Und der Rollstuhl muss mit, 2009, abgerufen am 5.5.2014, http://blog.zeit.de/kinderzeit/2009/07/23/der-rollstuhl-muss-mit_1710,

Stefan Herzog, Mein Umfeld nimmt mich im Rollstuhl mit – egal wohin, Zentrum für Paraplegie der Uniklinik Balgrist , http://www.paraplegie-balgrist.ch/, 2013, abgerufen am 30.04.14, http://www.paraplegie-balgrist.ch/blog/mein-umfeld-nimmt-mich-im-rollstuhl-mit-egal-wohin/

 

Inklusion: Schwimmen als Wettkampf

 

Tino Scholz, Eine Frage des Charakters , Interview mit Niels Gruenberg, 2010, abgerufen am 30.04.2014, http://www.berliner-zeitung.de/archiv/der-querschnittsgelaehmte-niels-grunenberg-schwimmt-in-berlin-um-die-wm-norm-eine-frage-des-charakters,10810590,10723832.html

Alle können das Deutsche Sportabzeichen erwerben: Deutscher Behindertensportverband e.V. Deutsches Sportabzeichen für Menschen mit Behinderungen, http://www.dbs-npc.de/sportentwicklung-breitensport-deutsches-sportabzeichen.html (DS 11)

3 Mal olympisches Gold: Robert Ide und Annette Kögel.„Beim Schwimmen fühle ich mich nicht behindert“, Interview mit Kirsten Bruhn , Tagesspiegel, abgerufen am 28.04.2014, http://www.tagesspiegel.de/sport/beim-schwimmen-fuehle-ich-mich-nicht-behindert/1372604.html

Behindertensportverein Leipzig, Klassifikationen im Sportschwimmen, abgerufen am 25.04.2014, http://www.bvleipzig.de/altewebsite/behsport/bs_swklassifikation.html

Deutsche Triathlon Union, DTU-Para-Informationen für Kampfrichterund Veranstalter, abgerufen am 30.04.2014, http://www.dtu-info.de/tl_files/dtu/PDFs/Paratriathlon/2014/DTU-Para-Informationen%20fuer%20Kampfrichter%20und%20Ausrichter_2014_.pdf

Therapeutisches Schwimmen:

Bei kompletter Tetraplegie sub C6 empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Paraplegie Schwimmen als Sporttherapie: AK Physiotherapie in der DGMP, DGMP, abgerufen am 30.04.2014 www.dmgp.de/index.php/component/joomdoc/empfehlung-der-physiotherapie-bei-rueckenmarksschaedigung-pdf/download

Problemen mit den Schultern, Erhaltung der Funktion und Therapie der oberen Extremiäten nach Querschnittlähmung , Bersch et. al, SPZ Notwill, abgerufen am 25.05.2014 http://www.paraplegie.ch/files/pdf4/Erhaltung_der_Funktion_und_Therapie_der_oberen_Extremiten.pdf

 

Witze thematisieren Rollstuhl und Inklusion

 

Barriere befreite Witze, abgerufen am 30.04.2014, http://www.friesenlovecoach.ch/rollstuhl-witze.pdf,

Hilfsmittel bei Startpage finden

Strandrollstuhl

Duschrollstuhl

Lifter im Schwimmbad

Inkontinenz im Schwimmbad

 

Begriffe für Ihre Internetsuche zu den Themen Inklusion und Schwimmen

 

Schwimmen, Rollstuhlfahrer, Ausdauer, Wettkampf, Therapie, Leben retten, Landsport, Wassersport, Auftireb, Körper, Körpergewicht verringern, Wasser, erschütterungsfrei, Knochen entlasten, Gelenke entlasten, Muskeln entlasten, Schutzkleidung, Sportschuhe, Erschütterungen dämpfen, Stauchungen mildern, Verschleiss mildern, Schulung, Kraft, Koordination, Verletzungen, Veränderung, sportlich, Sport., Rumpfmuskulatur, stärken, Stärkung, Kraft, Kräftigung, Herz, Körperzellen, Lunge, Atemorgane, Anpassung, Alltag, Infektionsrisiken, Reizung, Bindehäute, Chrlor, Fehlen, techische Anforderung, Handwerkliche Anforderung, Soziale Anforderung, Bindung, Trainingszeiten, Öffnungszeiten, Möglichkeiten, neues Gefühl. Rollstuhlfahrer, Hilfsmittel, Schwerkraft, Wirkung der Schwerkraft, Grenzen, Grenzen der Bewegung, Mitsportlern, Augenhöhe, Gesichter, Wasseroberfläche, verstecken, Kraulen, Rückenschwimmen, Spatizität, Schmerzlinderung, Rückenmuskulatur, Schulötern , Schultermuskulatur, Schmerzlinderung, Spastiztität, wirbelsäule, Haltung, Lordoisierung, belastung, sub c0 , sub c8, sub c6, Lähmung, Lähmungen Epilepsie, Medikamte, Begleitung, Barrieren, informieren, Personal, unterstützen, Vorfeld, Erfahrungen, Assistenz, Medikamente, Badeordnung, Medikamentenwirkungen, Sicherheitspersonen, Epileptiker, Tod, ertrinken, Tod durch ertrinken, Beinlähmung, unteren Rumpf, Widerspruch, Bedürfnis, Räumlichkeit, Rollstuhl. Lifter, Roolez – Reifen, Strandrollstuhl, Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz, Einlagen, Badekleidung, Wasser, Schwimmwesten,Tracheostomaträger, Trachealkanülen, Geruchsinn, Nebeneffekt, Spastikreduktion, Wassertemperatur, Neopren, Wärmeisolierung, Streckspastik, Körperhaltung, Inklusion, Entspannung, Wettkampf, Cirque de soleil, Dergin Tomek, Artist, zweite Klasse, Grundschule, Lebensrettend, Schwimmfährigkeit, Schwimmen lernen, Rehabilitationsspsort, geselliger Umgang, Funktionstraining., ehrgeizige Menschen, unbegrenzt, Erfolg. Paralympia, paralympiade, Weltmeisterschaft, Paralympischen Gold, Kirsten Bruhn


Zuletzt geändert am: 12.08.2016

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *