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Spastik: Vor- und Nachteile (2/2)

Dieser Artikel beendet den Artikel Spastik: Vor- und Nachteile. Der erste Teil erklärt die Entstehung von Spastik bei Rückenmarkverletzten und geht besonders auf die Vorteile von spastik ein.
Den Text können Sie hier finden: Spastik: Vor- und Nachteile – Teil 1.
 

„Spastik schränkt ein“, „Spastik verursacht Schmerzen und Inkontinenz“, sind oft gehörte Äußerungen unserer Klienten. Dieser Artikel beleuchtet zwei Seiten der Spastik. Sie kann auch Vorteile bewirken. Der Blick über den Tellerrand hilft das Wohlbefinden zu steigern. Oder sich gezielt für therapeutische Angebote zu entscheiden.

 

Nachteile der Spastik

 

Die starke Muskelverkrampfung ist für viele Rückenmarkverletzte Ursache für eine schlechtere Lebensqualität. So kann ein Transfer von oder zum Bett durch plötzliche Bewegungen unmöglich gemacht werden, weil die Beine plötzlich unkontrolliert „losschießen“ oder die Mobilisierung im Bett nur noch durch zwei Pflegekräfte möglich ist. Der Rückenmarkverletzte versteift sich so stark, das er regungslos bleibt und seine körperliche Kraft gegen die der Pflegenden wirkt.

 

Auch kann beispielsweise eine Beugespastik der Oberschenkel den Betroffenen die Intimpflege gänzlich versagen, so dass auch hier manchmal zwei Pflegepersonen notwendig werden, bei der einer die Beine auseinanderhält, während die andere Pflegekraft die Intimpflege ausführt.

 

Zusätzlich können, das gilt besonders für stark gebeugte Armbeugen, Kniekehlen und Handflächen, Hautprobleme entstehen, weil hier Hautschichten aufeinander liegen. Zwischen den Hautschichten sammelt sich leicht Feuchtigkeit, die die Haut schädigen kann und die Hautpilzerkranken begünstigt.

 

Desweiteren kann die Spastik die Ausscheidung erschweren, weil beispielsweise starke spastische Krämpfe die Blase plötzlich entleeren oder weil die Einschränkung der Beweglich- und Geschicklichkeit den Katheterismus behindern. Dadurch können sich Hygieneprobleme ergeben, die zu Harnwegsinfekten führen. Diese können bei wiederholtem Auftreten der Grund für schwere Nierenerkrankungen sein.

 

Die Störung der Nachtruhe ist ein oft berichtetes Problem, wenn spastisch Gelähmte durch plötzliche Bewegungen schroff geweckt werden. Oder wenn die Spastik im Oberkörper auf die Lunge oder das Herz drückt und ihre Atmung behindert.

 

Bei anderen Rückenmarkverletzten behindert die Spastik Sexualfunktionen und wird dadurch zu einer weiteren Belastungsprobe für die Partnerschaft.

 

Psychisch beeinträchtigt die Spastik oft das Selbstwertgefühl, das Gefühlsleben und die Stimmung.

Darüber hinaus verursacht die Spastik manchmal eine schlechte Körperhaltung. Schmerzen entstehen durch die Umformung von Knochen und Gelenken und die Verkürzung von Bändern, Muskeln und Sehnen. 6

 

Um ihre Lebensqualität oder ihr äußeres Erscheinungsbild zu verbessern beginnen Querschnittgelähmte oft, nach abwägen der Vor- und Nachteile, eine antispastische Therapie.


Einzelnachweise:


1 : Landeskrankenhaus Hochzirl , Intrathekale Medikamentenanwendung, abgerufen am 29.01.2012, http://neuro-hochzirl.tilak.at/page.cfm?vpath=leistungsspektrum/spastikbehandlung
2 :Noth,J./Dietz V. 2002, Spastik, abgerufen am 28.01.2012 http://www.friedehorst.de/nrz/spastik.pdf
3 :Pflegewiki, Spastik, abgerufen am 29.01.2012 http://www.pflegewiki.de/wiki/Spastik
4 : Wikipedia, Spastik, abgerufen am 29.01.2012 http://de.wikipedia.org/wiki/Spastik
5 :Mediuniqua, Querschnittlähmung, abgerufen am 01.02.2012 http://www.meduniqa.at/Medizin/Erkrankungen/Querschnittslaehmung/
6 :Zäch, G. A. und Koch, H. G.,2005, Paraplegie: Ganzheitliche Rehabilitation
7 :Matbey, www.tetraplegie-online.de, 2007 http://www.tetraplegie-online.de/tetraplegie-online.de.pdf

Weblinks:


Wie Muskeln funktionieren:
http://www.sportunterricht.de

Dekubitus http://de.wikipedia.org/wiki/Dekubitus
Alpha-Motonoeuron http://flexikon.doccheck.com/Alpha-Motoneuron,
Muskelschwund, Atrophie: Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser, http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/glex/konzepte/l7845.htm

Siehe auch:


Wassereinlagerungen/Ödem, Druckstelle/Wundliegen (Dekubitus), Herzentlastung, Herzinsuffizienz, Muskelpumpe, Blutgerinnsel/Thrombose, Mobilisation, Tonus, Blasenlähmung/Darmlähmung, Kontinenz/Inkontinenz, Beugespastik/Streckspastik,Intertrigor,Hautpilz/Mykose, Sexualität, Venöser Rückfluss, Schwerkraft.


Urheberrecht John-Martin Teuschel.

Zuletzt geändert am: 02.02.2016